Die erste gemeinsame Wohnung

Irgendwann kommt der Punkt in jeder Partnerschaft, an dem der nächste Schritt gegangen wird: Zusammenzuziehen. Und wie in jeder Partnerschaft ist dieser Schritt nicht nur besonders für beide Parteien, sondern er ist auch, wie vieles in einer Beziehung, mit Arbeit verbunden.

Wo wollt ihr hinziehen? Was ist jedem von euch wichtig in und außerhalb der Wohnung? Wie regelt ihr den Umzug? Braucht ihr noch wichtige Einrichtungsgegenstände? Wie viel Geld könnt ihr beide zur Verfügung stellen? Habt ihr einen Notfallplan, falls etwas schiefgehen sollte?

Es gibt viele Dinge, die man bei der ersten gemeinsamen Wohnung beachten sollte. Und je nachdem, wie alt man ist, sollte man auf gewisse Dinge noch mehr achten. Aber eines nach dem anderen. Fangen wir erst einmal mit der Tatsache an, dass sich einige Dinge ändern werden, wenn ihr zusammenzieht.

Pro und Contra alleine wohnen

Pro

  • Alleinige Entscheidungsgewalt
  • Ihr könnt euren eigenen Haushalt führen, wann und wie ihr wollt
  • Ihr könnt alles so einrichten wie ihr wollt
  • Ihr müsst nur auf eure Bedürfnisse achten

Contra

  • Man ist alleine
  • Ihr seid finanziell auf euch selbst angewiesen
  • Alleine habt ihr vermutlich weniger Geld zur Verfügung, als wenn ihr euch mit jemanden, eine Wohnung teilt
  • Alleine zu leben heißt auch, viele Dinge alleine zu erleben

Pro und Contra zusammen wohnen

Pro

  • Man ist nicht alleine
  • Ihr seid finanziell nicht auf euch alleine angewiesen
  • Die Haushaltskasse ist wahrscheinlich voller, als  wenn ihr alleine wohnt
  • Ihr könnt viele gemeinsame Erinnerungen machen und lernt euch dabei noch besser kennen
  • Ihr spart Geld, da ihr euch nicht mehr gegenseitig besuchen müsst
  • Wenn Hürden im Leben auftauchen, steht ihr nicht alleine davor
  • Ungestörter Sex (besonders wenn ihr vorher noch in einer WG gewohnt habt oder bei den Eltern)

Contra

  • Entscheidungen müssen geteilt werden
  • Ihr müsst euch haushaltstechnisch auch an euren Partner halten und könnt nicht machen, was ihr wollt
  • Ihr könnt nicht alles so einrichten wie ihr wollt
  • Ihr müsst auch auf die Bedürfnisse des anderen achten; ihr müsst miteinander kommunizieren, Dinge miteinander teilen, Dinge für den anderen machen, Streits lösen, für den anderen da sein, wenn es ihm schlecht geht uvw. (allerdings, kann dies auch eine positive Sache sein!)
  • Alleinzeit zu finden wird schwieriger
  • Freundes- und Familienbesuche werden durch das gemeinsame Wohnen zu einer Veranstaltung, an der ihr beide involviert seid (wenn die eventuelle, zukünftige Schwiegermutter vorbeikommt, müsst ihr nicht nur helfen aufzuräumen, sondern es ist dann auch euer Besuch, um den ihr euch auch kümmern müsst)
  • Wenn man zusammenzieht, riskiert man, dass man (oder der Partner) sich gehen lässt. Je näher man sich kommt, umso höher ist die Wahrscheinlichkeit die Wichtigkeit des Partners irgendwann zu übersehen

Das ganze soll nun natürlich nicht abschreckend wirken, sondern euch klar vor Augen führen, dass man den Schritt nicht unüberlegt gehen sollte. Wenn ihr euch voll darüber im Klaren seid, was auf euch zukommt und beschließt zusammen ziehen wollt, sollten die nächsten Schritte sorgfältig geplant werden. Hier sind einige Denkanstöße, über die ihr euch als nächstes Gedanken machen solltet.

Wo wollt ihr hinziehen?

Eine gute Frage. Wenn die alte Wohnung eines Partners groß genug ist für euch beide, wäre dies natürlich die perfekte Gelegenheit, zusammenzuziehen. Andererseits wäre es vielleicht auch besser, an einem Ort zu ziehen, der in der Mitte von den Orten liegt, die ihr stets besucht. Sei es Arbeit, Familie oder Freude. Natürlich kann es auch sein, dass aufgrund eines Jobs oder einer wichtigen Angelegenheit, wie z. B. die Pflege der Familie man an einem gewissen Ort bleiben muss. Diesbezüglich sollte dann der perfekte Kompromiss für den Partner gefunden werden. Auch sollte die eigene Mobilität mit einbezogen werden (hat der Ort eine gute Bus-/Bahnverbindung? Hat man selbst ein Auto, Motorrad oder Fahrrad?). Dazu gehört auch, ob man lieber in der Stadt oder auf dem Dorf wohnen will und wie die Mietpreise (oder Kaufpreise für Häuser) dort aussehen.

Wobei man sagen sollte, dass ein Hauskauf für das erste Zusammenwohnen wohl eher unangebracht ist, da man sich zuerst einmal aufeinander einstimmen sollte, um auf Nummer sich zu gehen. Dies gilt übrigens auch für Leute, die das erste Mal aus dem Schoß der Eltern ziehen. Vielleicht ist es angebracht, vorher erst einmal alleine zu wohnen, bevor man mit jemanden zusammenzieht, um selbst zu lernen, wie man für sich zu Sorgen hat. Allerdings hängt dies, wie so vieles im Leben, von dem eignen Charakter ab.

Wie regelt ihr das Finanzielle?

Die beste Möglichkeit, welche meist zu den wenigstens Reibereien führt, ist, dass jeder die Hälfte von den gesamten monatlichen Kosten bezahlt. Natürlich könnt ihr dies auch anders regeln.

Einer regelt mehr im Haushalt? Dann kann die Miete für diese Person auch verringert werden. Einer verdient so viel, dass er locker die Miete alleine stämmen kann? Perfekt! Dann kümmert sich einer um die Wohnung und der andere um dessen Endstandhaltung (Essen bezahlen, Haushalt machen etc.). Natürlich kann auch nur einer bezahlen oder ihr wechselt euch monatlich ab. Aber vergesst dabei nicht, dass Fairness ein wichtiges Thema in einer Beziehung ist! Selbst wenn ihr das Glück habt und euer Partner euch komplett mitfinanzieren kann, so solltet ihr ihm auch etwas zurückgeben können! Ansonsten kann dies zu Streitereien führen, die die Beziehung in Gefahr bringen könnten. Kümmert euch auch um einen Notfallplan, falls einem von euch das Standbein wegfällt und legt eine Haushaltskasse für Notfallanschaffungen an (z. B. kaputtes Auto, Waschmaschine etc.) und zusätzlich noch eine, um euch beide zu belohnen (Geld zurücklegen z. B. für einen gemeinsamen Urlaub).

Was macht ihr mit den Einrichtungsgegenständen?

Auch wenn viele amerikanische Sitcoms immer spaßeshalber voraussetzen, dass beim gemeinsamen Zusammenziehen oft die Frau oder der dominantere Part der Beziehung all seine Sachen behält, während der andere sich anpassen muss, so gibt es wohl keine toxischere Lösung als genau diese Einstellung. Mal abgesehen davon, dass ihr sowieso zusammen regeln müsst, was ihr noch für einen gemeinsamen Haushalt benötigt und wie ihr dessen Finanzierung untereinander klärt, so müsst ihr euch auch darüber im Klaren werden, wie ihr eure gemeinsame Wohnung gestalten wollt.

Natürlich ist Optik da eine wichtige Geschichte, besonders für die Frauenwelt, aber das ist noch lange kein Freifahrtschein, alles, was nicht zusammenpasst, einfach aus dem Haushalt zu verbannen. Wie bei Kleidungsstücken gibt es oft Dinge, an die wir emotional festhalten, auch wenn dessen Stil schon lange nicht mehr zu uns passt. Hier gilt es sich gemeinsam zu überlegen, welche Dinge man behält und was nicht. Alternativ kann man auch, besonders wenn man zu keiner gemeinsamen Einigung kommt, sich eine komplett neue Einrichtung besorgen.

Wägt ab, was für euch am wichtigsten ist und welche Möbelstücke für euch ein zu Hause, auch zu einem wirklichen ‘zu Hause‘ machen. Wie müsste die Wohnung sein, damit ihr euch wohl und geborgen fühlt? Damit es gemütlich ist? Kommuniziert, macht Listen oder eine Bestandsaufnahme eurer Sachen und ganz wichtig, geht Kompromisse ein. Nur so landet das Beste aus beiden Haushalten in eurer gemeinsamen Wohnung.

Natürlich könnt ihr auch eurem Partner die alleinige Einrichtung überlassen, falls euch so etwas nicht interessiert oder ihr andere Dinge zu tun habt. Dann solltet ihr euch allerdings nicht wundern, wenn ihr anfangs kaum etwas wiederfindet oder einige eurer Sachen den Umzug ‘nicht überlebt‘ haben. Zusammenzuziehen ist ein gemeinsames Projekt, auch um euch gegenseitig besser kennenzulernen.

Wie regelt ihr den Umzug?

Abgesehen davon, dass die Mietverträge für eure alten Wohnungen im besten Fall gemeinsam auslaufen sollten, müsst ihr auch genau planen, wann der Umzug stattfindet. Am besten sind dafür Wochenenden geeignet, da ihr dann nicht nur Familie und Freunde um Hilfe bitten könnt, die sonst arbeiten müssten, sondern ihr habt auch mehr als genug Zeit, den Umzug hinter euch zu bringen. Auch sollte überlegt werden, wie ihr umzieht.

Mietet ihr euch einen LKW? Einen Umzugsbus? Einen Hänger? Kennt ihr jemanden, der so etwas besitzt und so etwas auch fahren darf? Was müsst ihr noch abbauen und habt ihr das Werkzeug dafür? Oder holt ihr euch vielleicht gleich sofort ein Umzugsunternehmen, damit ihr den ganzen Stress gar nicht erst habt, auch wenn ihr dafür mehr bezahlen müsst?

Was immer auch eure Idee ist, einige Dinge solltet ihr vorher klären, bevor es zum Tag des Umzuges kommt:

  • Besitzt den Schlüssel zur neuen Wohnung
  • Habt eure Umzugskartons bereits gepackt, wenn die Umzugshilfe antritt (wenn die anderen euch noch helfen sollen, Kartons zu packen, dauert der Umzug nämlich noch länger! Packt am besten bereits Tage vorher, vielleicht wenn ihr von der Arbeit kommt, einige Sachen vor)
  • Sorgt für das passende Fahrzeug und jemanden, der es fahren kann
  • Sorgt für das passende Werkzeug, mit dem ihr Betten, Schränke und Co. auseinanderbauen und wieder aufbauen könnt
  • Hinterlasst eure alten Wohnungen besenrein (das könnte sich im schlimmsten Fall sonst auf eure Kaution bei der Schlüsselübergabe mit dem Vermieter bemerkbar machen)
  • Stellt euren Helfern Getränke und Essen
  • Erwartet nicht, dass ihr alles an einem Tag schafft. Hauptsache eure Sachen sind erst einmal in der neuen Bude. Den Rest kann man auch die Tage danach regeln

Wie war das noch mit den Versicherungen?

Neben einer sehr vorteilhaften Kautionsversicherung, die ihr mit eurem neuen Vermieter allerdings vorher abklären müsst, gibt es noch andere Versicherungen, um die ihr euch kümmern solltet und die für eine gemeinsame Wohnung wichtig sein können. Dazu gehört natürlich auch, wer diese wann und zu wie vielen Anteilen mitfinanziert. Lasst euch diesbezüglich beraten oder informiert euch im Internet. Gerade wenn ihr zusätzlich noch ein großes Haustier habt, könnte eine Versicherung z. B. in einem Mehrfamilienhaus sehr wichtig sein.

Was macht ihr mit dem Haushalt und was gibt es für Regeln?

Auch hier müsst ihr eure eigenen Regeln finden. Es gibt kein Konzept, dass man einfach anwenden kann. Wichtig ist, dass ihr eure Regeln klar und fair definiert! Macht ihr einen Haushaltsplan oder hat jeder seine speziellen Aufgaben, die er/sie wöchentlich machen muss? Kümmert sich eine Person komplett um den Haushalt und dafür bezahlt die andere mehr?

Was immer ihr euch auch für eine Methode aussucht, ihr solltet stets dabei auf die Bedürfnisse des anderen achten. Findet eine Lösung, mit der ihr beide klarkommt, sonst ist der erste Streit bereits vorprogrammiert. Außerdem solltet ihr dabei auch gleich zwischenmenschliche Regeln festlegen. Wer hat wo seinen Rückzugsort, wenn man mal alleine sein möchte? Wollt ihr einen speziellen Tag in der Woche/Monat haben, in dem ihr ausgehen wollt/Zeit verbringen wollt? Was sind eure Vorstellungen vom Zusammenziehen?

Alles Dinge, die ebenfalls geklärt werden sollten und dies am besten noch bevor man sich entscheidet, zusammenzuziehen. Denn es gibt nichts Schlimmeres, als mit einer Person zusammenzuziehen, welche eine ganz andere Vorstellung vom ‘Zusammenziehen‘ hat, als man selbst. Man muss auf viele Dinge achten, eine ganze Menge planen und viel wichtiger noch miteinander kommunizieren.

Wenn man dafür nicht wenigstens auf derselben Wellenlänge ist (genau so viel Freude und Kraft in das Projekt steckt wie zum Beispiel der Partner), sollte dies bereits ein Warnzeichen sein, es sich noch einmal anders zu überlegen. Am Ende kommt es aber nur auf euch beide an. Ihr beide entscheidet alleine, wann, wo und ob ihr überhaupt zusammenziehen wollt. Eine Entscheidung, die euch niemand abnehmen kann und sollte.

Seid euch dennoch immer darüber bewusst, dass das gemeinsame Zusammenziehen noch lange nicht so romantisch ist, wie ihr es euch vielleicht vorstellt. Und viel mehr noch löst es keine bereits vorhandenen Beziehungsprobleme. Es kann sogar so kommen, dass je näher ihr euch kennenlernt, ihr feststellt, dass ihr gar nicht zueinander passt. Ein Risiko, das man allerdings zu jeder Zeit zu jedem Zeitpunkt mit jedem Menschen eingeht, wenn man mehr über ihn herausfindet.

Allerdings kann auch das Gegenteil eintreten und ihr bemerkt vielleicht, dass kein anderer Mensch besser zu euch passen würde und dass ihr nie wieder alleine wohnen wollt. Seht den gemeinsamen Umzug also als eine Chance. Nicht nur, um den Partner besser kennenzulernen, sondern auch euch selbst, mit eurer besseren Hälfte als Spiegelbild, die eure Aktionen mimiken wird oder dementsprechend auf euch reagieren wird.

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