Krisenmanagement in der Beziehung

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Wer kennt es nicht?

Egal ob man einen guten Tag hat oder nicht, jeder Zeit kann es in der Beziehung zu Reibereien kommen.

Dies kann zu jedem möglichen und auch unmöglichen Zeitpunkt passieren. Wenn man bereits jahrelang verheiratet ist, wenn der „Rosa-Rote-Brillen-Effekt“ nachlässt, auch wenn man frisch zusammengekommen ist. Streitereien und Meinungsverschiedenheiten sind gesund für eine Beziehung!

Man findet viele Dokumentationen darüber, dass Streiten durchaus gut für eine Partnerschaft sein kann und sich nicht immer negativ auswirken muss. Ohne Meinungsverschiedenheiten in einer Beziehung läuft meistens etwas in der Kommunikation falsch. Aber was macht man, wenn diese Kommunikationsprobleme sich immer wiederholen? Wenn der Partner, man selbst oder als Team das Problem nicht lösen kann? Wenn sich negative Verhaltensmuster wiederholen? Man nicht aus der Spirale des Alltags entkommen kann und so immer wieder in alte Muster zurückfällt?

Gerade bei Beziehungskrisen ist es wichtig, dass die Kommunikation an oberster Stelle steht. Ohne gegenseitiges Verständnis für den anderen und warum er wie handelt, wird es immer mehr Missverständnisse geben und das Loch der Beziehungskrise wird nur noch tiefer.

Es ist immer leicht gesagt, sich mit seinem Partner zu unterhalten, aber in Wirklichkeit steckt viel mehr dahinter. Dies würde ich gerne an einem Beispiel von Friedmann Schulz von Thun, Psychologe und Kommunikationswissenschaftler, erläutern. Laut seiner These kann jede einzelne Aussage in vier verschiedenen Arten gedeutet werden. Nehmen wir zum Beispiel den Satz:

Schatz, das Kleid steht dir heute ausgezeichnet!

Es gibt nun vier verschiedene Arten und Weisen, diesen Satz zu deuten.

Sachlich

Dies bedeutet, dass dieser Satz nur dazu dient, jemanden zu informieren. Es stecken keine weiteren Bedeutungen hinter dem eben genannten Beispiel.

Selbstkundgabe

Hier geht es darum, herauszufinden, was der Satz über den jenigen aussagt, der ihn getätigt hat. Anhand vom Beispielsatz ist dies ganz klar zu erkennen. Dem Partner gefällt das Kleid.

Beziehung

Diese Ebene ist die am meisten missverstandene, denn hier passieren die meisten Kommunikationsfehler. Denn wie die Beispielnachricht ankommt, hängt von Faktoren ab, wie man zum Absender der Nachricht steht oder von den eigenen persönlichen Erfahrungen.

Der Satz kann zum Beispiel so gesehen werden:

Mein Partner freut sich über das Kleid!

Oder so:

Was meint mein Partner mit ‘heute’? Sind die Kleider, die ich sonst trage, etwa nicht hübsch genug?!

Appell

Diese Ebene gilt dazu herauszufinden, was der andere uns mit diesem Satz sagen will. Was möchte der Absender bei uns erreichen?

Die Reaktion auf den Beispielsatz könnte zum Beispiel so sein:

Mein Partner gefällt das Kleid? Ich sollte es wohl öfter anziehen oder Kleider, die so ähnlich sind wie dieses.

All diese vier Ebenen sind wichtig, um herauszufinden, wie man die Wörter des Partners interpretieren kann. Denn diese vier Modelle sind nicht nur bei demjenigen anwendbar, der den Satz hört, sondern auch bei dem, der ihn ausspricht.

Wenn wir uns weiter an dem Beispielsatz „Schatz, das Kleid steht dir heute ausgezeichnet!“ aufhalten, können wir eine ganz typische Streitszene nachbauen.

Der Ehemann sagt zu seiner Frau den Beispielsatz. Er wollte sie lediglich wissen lassen, dass er das Kleid mag. Er spricht also auf der Ebene der Selbstkundgabe.

Die Ehefrau weiß dies natürlich nicht und interpretiert diesen Satz auf ihre eigene Art und Weise. Sie versteht ihn zum Beispiel auf der Beziehungsebene. Sie hört nur das ‘heute’ und hat das Gefühl, dass die Kleider, die sie sonst trägt, nicht so schön sind wie dieses. Sie fragt ihren Mann wütend, warum er ihr nicht vorher gesagt hat, dass ihre anderen Kleider so schrecklich aussehen und der Ehemann ist nun verwirrt.

Natürlich ist dies ein Beispiel, das auch anders herum anwendbar ist.

Fakt ist allerdings, dass zwischen diesen vier Ebenen kommuniziert wird. Der Trick ist herauszufinden, auf welcher Ebene der Partner kommuniziert und was er wirklich sagen will. Dazu gehört auch, sich selbst zu reflektieren. Was will man wirklich mitteilen? Will der Partner mich angreifen oder ist es ein Missverständnis? Sollte ich lieber noch mal nachfragen, wie er den Satz gemeint hat?

Diese Art der Kommunikation ist der Grundstein jeder Beziehungskrise. Ohne Kommunikation kann man sich selbst nicht mitteilen. Und ohne sich selbst mitzuteilen, kann man weder dem Partner noch sich selbst helfen. Denn das Lesen der Gedanken ist nur eine romantische Traumvorstellung, die man nicht vom Partner oder überhaupt irgendeinem anderen Menschen erwarten sollte.

Sobald also eine gemeinsame Ebene geschaffen werden konnte, auf dem beide Partner sich gegenseitig wertungsfrei öffnen können, kann man auch über einen Plan sprechen, der aus der Krise helfen soll.

Hier geht es darum, dass beide Partner mitteilen, was sie an der aktuellen Beziehung stört. Dies können Verhaltensweisen vom Partner sein oder die Richtung, in der die Beziehung sich bewegt. Hier gilt es, durch offene Kommunikation festzustellen, was man sich wünscht, vorstellt oder erwartet und wie man dies gemeinsam erreichen kann.

Kompromiss suchen

Eine Ehefrau wünscht sich, öfter auszugehen. Ihr Ehemann ist allerdings nach der Arbeit und Hausarbeit so kaputt, dass er nicht mehr rausgehen möchte. Da dieses Bedürfnis der Frau wichtig ist, aber auch die Erschöpfung des Ehemannes beachtet werden muss, gilt es einen Kompromiss zu finden. Zum Beispiel kann das Ausgehen auf einen Wochenendtag gelegt werden, an dem der Mann nicht arbeitet. Die Ehefrau kann ihrem Partner allerdings auch zuarbeiten und ihm häusliche Aufgaben abnehmen, damit er an dem Tag, an dem die zwei ausgehen wollen, weniger belastet ist.

Bei Kompromisssuchen gilt es allerdings zu beachten, dass beide Parteien so gut es geht, nicht benachteiligt werden, dass beide Ansichten ernst genommen werden und das fair verteilt wird, sollte der eine Partner einmal einstecken müssen. Es müssen also Ausgleiche geschaffen werden. Auch sollten sich beide Partner gegenseitig zuarbeiten, um genau das Verhalten, das sie ärgert, vorzubeugen. Und sollte einer der beiden Parteien seine Abmachung aus irgend einem Grund nicht einhalten können, muss darüber im Voraus oder so schnell wie möglich kommuniziert werden. Auch sollte über einen Ersatztermin, im Fall des Beispiels, gesprochen werden.

Es gibt viele Wege, mit Krisen umzugehen, Pläne umzusetzen und sich richtig miteinander zu unterhalten. Dies hängt vor allem von beiden Beteiligten und ihrer Persönlichkeit ab. Dennoch darf man nicht vergessen, dass es, wie bei allen Sachen auf dieser Welt auch Ausnahmen gibt.

Hier gilt es für sich selbst herauszufinden, was man bereit ist, in der Krise von sich aufzuopfern und wie viel die Beziehung für einen wirklich wert ist. Und ganz wichtig, ob der Partner in seinem Maße genauso hart daran arbeitet, die Krise zu überwinden, wie man selbst.

Auch eine Paartherapie sollte je nachdem nicht ausgeschlossen werden, wenn man die Beziehung wirklich retten will und mit dem Rücken zur Wand steht.

Im Endeffekt kommt es nur darauf an, wie sehr man dem Partner liebt und wie sehr man genau für diese Liebe bereit ist, Kompromisse einzugehen. Und wie viel das ist, über das hat jeder das Recht, selbst zu entscheiden.

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