Warum keine Beziehung so sein wird wie die, in der du gerade bist

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Viele Menschen erhoffen sich bei einem Beziehungsende die Kehrtwende des Jahrtausends. Mehr als nur verständlich, besonders falls man aus einer unglücklichen Beziehung kommt, was laut einer deutschen Statistik aus dem Jahre 2016 immerhin sechs von zehn Paaren waren.

Dennoch aber ist die Wahrheit, dass aus dem Unglück oder aus der Hoffnung heraus meistens die Gedanken einem mehr versprechen, als die Realität für einen übrig hat. Besonders bei Trennungen, bei denen es an Kleinigkeiten haperte und viele Menschen ihren Partner auf Basis von, ok, wenn du nicht so willst wie ich, dann finde ich eben jemand anderen!, eine Beziehung verlassen, werden meist enttäuscht werden. Denn neben den ganzen Dingen, die einem zu einer Trennung getrieben haben, gab es auch gute Dinge, die einem in Erinnerung bleiben.

Hat dein Ex dir morgens immer Pfannkuchen gemacht und dich am Wochenende zu deinem Lieblingsrestaurant ausgeführt? War dies einer der Eigenschaften, die du an deinem Ex-Partner geschätzt hast und die du gerne in deiner nächsten Beziehung wieder hättest? Schön und gut, aber du kannst dieselben Dinge nicht von deinem neuen Partner erwarten und hoffen, dass die Dinge, die dich zuvor an deinem Ex gestört haben, hier plötzlich einfach wegfallen.

Immer besser, immer schneller, immer weiter

Die Suche nach einem ständigen Beziehungsupgrade, die viele Menschen durchführen, führt nämlich nicht nur oft in die Leere, sondern auch in eine Einbahnstraße gefüllt mit bitterer Enttäuschung, unrealistischer Erwartungshaltung und künstlich hochgepuschten Erinnerungen von einer Beziehung, die schon lange nicht mehr existiert oder so nie existiert hat.

Sich den Wunschpartner wie in einer Simulation zusammenzustellen, ist ein weitverbreitetes unrealistisches Denken, gefördert durch diverse Medien und der durchaus bekannten Aussage, dass man den Partner in einer Beziehung ja noch passend verändern könne, was der wohl toxischste und negativste Beziehungsansatz ist, mit dem man in eine Beziehung starten könnte.

Also warum kann keine deiner neuen Beziehungen so sein wird wie die alte und warum ist genau dieser Wunschansatz so toxisch? Nun, die Wahrheit ist: Wir Menschen sind alle verschieden. Das bedeutet, dass du niemals dieselben Denkweisen, Taten oder Aufmerksamkeiten von deinem neuen Partner erwarten kannst, die dein alter Partner besaß. All dies hängt natürlich von den persönlichen Empfindungen, den Erfahrungen, Interessen, Hobbys und natürlich der Persönlichkeit und Einstellung eures neuen auserkorenen Lieblingsmenschen ab.

Natürlich ist es nicht völlig unmöglich, dass sich einige Dinge überschneiden können, andere Gesten aus alten Beziehungen plötzlich ein Upgrade (oder Downgrade) erfahren, so wie dass man den neuen Partner darum bitten kann, gewisse Dinge mit in die Beziehung aufzunehmen, zum Beispiel den täglichen Abendspaziergang, den man mit dem Ex-Partner pflegte. Aber diese Sachlage ist noch lange kein Garant dafür, die genau selben Dinge wie früher zu erwarten/erfahren.

Kein Mensch gleicht dem anderen, es kann Überschneidungen geben, aber diese sind sehr selten

Denn der Mensch, den wir in einer neuen Beziehung vor uns haben, ist genau wie wir und unser Ex-Partner ein eigenes, selbstständiges Individuum, das seine eigenen Gefühle, Wünsche und Denkweisen besitzt. Sprich: Dasselbe von unserem neuen Partner zu erwarten, wäre nicht nur ihm gegenüber unfair, da wir ihn sofort aufs selbe Podest stellen wie unseren Ex-Partner, sondern wir geben ihm damit keine Chance, sich in unserer Nähe persönlich zu entfalten und so zu sein, wie er gerne wäre.

Das heißt, wenn unser Partner statt Abendspaziergänge lieber morgens mit uns eine Runde joggen gehen möchte, dann können wir ihm unsere Denkweise und Wünsche nicht aufzwingen. Entweder wir hängen uns an unseren neuen Partner und haben den Mut/Lust, uns auf seine, für uns neue Methodiken einzulassen oder wir finden einen Kompromiss zwischen morgendlichen Joggen und abendlichen Spaziergängen, der uns beide glücklich macht.

Um herauszufinden, was unser neuer Partner mag, müssen wir uns allerdings erst einmal auf ihn einlassen. Noch etwas, was das Vergleichen mit älteren Beziehungen kaputtmachen kann, wenn wir nicht aufpassen. Wenn wir dabei sind, einen neuen Menschen kennenzulernen, sollten wir uns dabei völlig auf die Person vor uns einlassen, um herauszufinden, ob wir überhaupt zusammenpassen oder nicht. Natürlich können wir dabei unsere Erfahrungen/Vorstellungen aus unserer alten Beziehung als Indikator benutzen, was wir uns wünschen oder was wir unbedingt vermeiden möchten, aber dafür müssen wir erst einmal den Kopf frei machen, um die Person vor uns auch so wahrzunehmen, wie sie wirklich ist.

Denn ständiges Ausschau halten nach gewissen Charaktereigenschaften und das Erfragen von gewissen Wunschcharakteristiken kann schnell dafür sorgen, dass wir uns mehr auf das konzentrieren, was wir aus unserem Gegenüber für uns herausholen könnten, als auf das, was diese Person wirklich ausmacht.

Immer auf der Suche nach etwas Besserem

Ein nicht nur respektloses Verhalten der Person gegenüber, die sich uns öffnet, sondern auch ein guter Indikator dafür, dass wir eventuell noch nicht über die letzte Beziehung hinweg sind, wenn wir verzweifelt nach einem Upgrade suchen, die unsere letzte Beziehung nur in besser ersetzen soll. Wirklich spannend wird es dann, wenn es um die negativen Eigenschaften unseres neuen Auserwählten geht.

Etwas, womit auch jeder Mensch klarkommen muss, ist: Wir alle besitzen negative Charaktereigenschaften. Wenn wir eine Beziehung verlassen haben, weil unser Ex-Partner nicht beim Haushalt geholfen hat und wir in der Erwartung, dass es doch jemanden geben muss, der uns genau mit solch einem Verhalten nicht den Tag ruiniert, eine Trennung vollziehen, dann solltet ihr diesen Gedanken mit Vorsicht pflegen.

Sich so etwas zu wünschen und nach etwas Ausschau zu halten, dass man unbedingt vermeiden möchte, wie in diesem Beispiel jemanden, der sich überhaupt nicht an der Hausarbeit beteiligt, ist vollkommen legitim und sogar sehr selbst reflektierend. Man sollte nur, wie so oft, realistisch an die Sache herangehen und sich klar werden, dass, selbst wenn man eine Person gefunden hat, die wirklich auf den Haushalt achtet, dass es auch hier anhand anderer Gründe zum kompletten Eklat kommen kann.

So oder so müssen wir uns damit abfinden, dass, egal auf welche Beziehung wir uns einlassen, wir immer wieder einen Grund finden werden, uns über den Partner aufzuregen. Das ist normal. Unser Partner wird schließlich auch dasselbe bei einem selbst machen. Schließlich ist keiner frei von Unfehlbarkeit.

Den Partner nach den eigenen Wünschen zu verändern, sollte nicht als Ziel einer Beziehung stehen

Jeder von uns besitzt negative Eigenschaften, die wir so in einem anderen Menschen, in Kombination mit all unseren guten Eigenschaften nie wieder finden werden. Genau deshalb sind wir ja alle so einzigartig. Aber mit dem Gedanken, in eine Beziehung zu gehen, dass der rosarote Brilleneffekt für immer anhalten wird und dass wir all die kleinen, nervigen Dinge an unseren neuen Partner niemals als nervig empfinden werden oder diese noch mit der Zeit beheben können, stellt bereits eine Gefährdung für eure Beziehung dar.

Denn genau wie bei den guten Eigenschaften, die man eben noch gezielt beim Partner aussuchen oder beeinflussen wollte, ist das zwanghafte Unterdrücken oder das Beschweren über die negativen Eigenschaften des Partners genau so manipulierend, egoistisch und toxisch. Immerhin hat man ja von Anfang an gewusst, auf was für einen Menschen man sich einlässt. Dies im Nachhinein zwanghaft ändern zu wollen oder sich über genau die Dinge aufzuregen, die einem der Partner von Anfang an offen gelegt hat, ist alles andere als Fair Play und zeugt von keiner Akzeptanz eures Gegenübers. Weder mit all seinen guten als auch schlechten Eigenschaften.

Es ist genau der gleiche Grund, warum ihr niemals in eine Beziehung mit dem Gedanken gehen solltet, dass ihr euren Partner ja noch verändert bekommt oder retten werdet. Es ist eine Sache, wenn man während der Beziehung bemerkt, dass etwas nicht gut läuft und sich dann mit dem Partner zusammensetzt, weil eine spezielle Eigenschaft oder ein Benehmen negativ auffällt oder das gemeinsame Zusammenleben gefährdet. Aber von Anfang an systematisch zu versuchen, jemanden zu verändern oder sich absichtlich auf ein toxisches Verhältnis einzulassen, zeugt nicht nur von Unreflektiertheit und Naivität, sondern im ersten Fall auch von Egoismus und Respektlosigkeit dem Partner gegenüber.

Manchmal kann ein neuer Partner auch beflügeln

So schlimm eine Trennung auch sein kann, um so schöner kann das Aufnehmen einer neuen Beziehung sein. Dies liegt nicht zu guter Letzt an dem wunderschönen Verliebtheitsgefühl, dass anfangs aufkommt, sondern auch an all genau den Dingen, die wir im letzten Absatz bereits genannt haben.

Gerade wenn eine Person anders sein sollte als euer Ex-Partner, ergeben sich plötzlich viele neue Möglichkeiten. Ihr lernt neue Denkweisen kennen, lernt vielleicht ganz neue Herangehensweisen im Alltag oder eurer Beziehung kennen, lernt neue Hobbys und neue Freunde kennen und all dies, während ihr viele schöne neue Erinnerungen machen könnt, aus denen ihr unbewusst ein Portfolio für eure Beziehung erbaut, an dem ihr stets arbeiten könnt.

Eine neue Beziehung kann so viele neue Möglichkeiten bieten. Alleine der Charakter eures Partners kann so viel ausmachen. Euer neuer Partner kann mitreisend sein, euch motivieren und euch anfeuern, wenn ihr es am meisten braucht. Euer neuer Partner kann anders mit euch kommunizieren, euch neue Seiten des Lebens zeigen und eure Persönlichkeit zum Besseren beeinflussen. Gerade wenn ihr auf derselben Wellenlänge seid, euch stets mit Respekt behandelt und wisst, dass Kommunikation der Schlüssel ist, eure Meinungsverschiedenheiten zu überwinden. Mit einem Satz kann euer Leben plötzlich ganz anders strukturiert und aufgebaut sein, und zwar zum Besseren.

Besonders Menschen, die aus toxischen Beziehungen kommen bzw. in diesen stecken, vergessen leider viel zu oft, dass ein Partnerwechsel ein ganz anderes Leben mit sich bringen kann. Viel mehr noch braucht es zuerst nicht einmal einen Partnerwechsel, sondern einfach nur die Einsicht, dass das Leben, so wie man es jetzt führt, kein Standard ist und man auch anders leben kann, sollte und darf. Besonders das Wahrnehmen der negativen Eigenschaften von anderen Menschen können für solche Personen zum wahren Aufwecker werden.

Wenn man aus einer negativen Beziehung kommt, kann eine neue Beziehung wieder Kraft geben

Sich nach einer toxischen Beziehung in eine neue zu stürzen ist schwer genug, gerade wenn es ums Thema Vertrauen geht, aber zu erkennen, dass der Partner, anstatt manipulativ in der Beziehung vorzugehen, stattdessen manches Mal nur vergisst, eine neue Klopapierrolle aufzuhängen, kann einem zum ersten Mal klarmachen, in was für einer falschen Welt man vorher eigentlich gelebt hat und einem die Kraft und den Mut geben, sich weiter an das neue Leben zu versuchen.

Und auch Menschen, die diese Erfahrungen zum Glück nicht machen mussten, können bei den negativen Eigenschaften des neuen Partners natürlich eine Art ungeplantes Upgrade erfahren.

Wenn der ehemalige Partner sich zum Beispiel nie etwas merken konnte/wollte, womit die Arbeit immer auf euch zurückgefallen ist und unser neuer Auserwählter nur ab und zu etwas vergisst (weil er sich zum Beispiel so gut es geht immer Notizen macht, damit er euch unterstützen kann), dann kann dies vielleicht auch manches Mal ärgerlich sein und sicherlich zum Streit führen. Aber die damit einher kommenden Probleme sind trotzdem kein Vergleich zu den Schwierigkeiten, die man in der alten Partnerschaft erfahren musste.

Gerade für Menschen, die die letzte Beziehung verlassen haben, weil die negativen Eigenschaften des Partners nicht mehr zu ertragen waren, ist eine neue Beziehung oft wie ein Jungbrunnen! Auch um zu erkennen, dass es auch anders geht. Wie man also sieht, kann ein Beziehungswechsel nicht nur guttun, sondern er ist auch noch am gesündesten, wenn er natürlich passiert.

Manchmal ist es das wert, eine Beziehung zu retten

Jeder, der den Drang hat, aus seiner Beziehung auszubrechen, weil man sich bereits den Mund fusselig geredet hat, was Verbesserungsvorschläge oder Streitereien/Diskussionen angeht oder vielleicht sogar schon in einer Paartherapie war, ohne Erfolge, sollte den Gedanken definitiv in Betracht ziehen, den Kerngedanken „Keine Beziehung wird so sein wie deine Letzte“ als Chance zu sehen und nicht als Angstfaktor. Besonders wenn die Beziehung toxische Faktoren besitzt, welche das Allgemeinleben und die Gesundheit massiv negativ beeinflussen.

Genauso sollte man aber auch bedenken, dass eine Trennung nicht immer der erste Ausweg ist und man sich auch bewusst werden sollte, dass das, was man jetzt hat, so nie wieder passieren wird. Es ist nicht ungewöhnlich, dass viele Menschen vorerst in einer abbauenden Beziehung bleiben, da sie immer noch versuchen wollen, diese zu retten.

Alleine der Gedanke, viel Arbeit in diese Partnerschaft gesteckt zu haben, ist oft mehr als nur genug, dass der Absprung von solch einer Beziehung, sogar wenn diese sich nicht verbessert, härter wird, umso länger sie andauert. Denn selbst kleine Erfolgserlebnisse in Beziehungen, die am Abbauen sind, wirken oft immer noch besser, erreichbarer und umsetzbarer, als sich in etwas komplett Neues und Unbekanntes zu stürzen. Gerade weil der Datingmarkt, beflügelt durch das Internet, umso herausfordernder, niederschmetternder und unsicherer wirken kann.

Bevor man alleine ist, wird versucht, die Beziehung mit allen Mitteln zu retten

Die Angst vor dem Unbekannten ist nun mal schon immer etwas, was uns Menschen Angst gemacht hat und auch beim Thema Beziehungsaus, treibt er viele von uns an, lieber bei den alten Methoden zu bleiben, auch auf die Gefahr hin, dass wir unglücklich werden.

Gerade bei Frauen kann der Versuch, eine neue Beziehung aufzunehmen, mehr ins Unglück führen als ins Glück. Denn mit dem steigenden Beziehungszahlen und dem einher kommenden Älterwerden bekommt man immer mehr das Gefühl, versagt zu haben und nicht genug an einer Beziehung gearbeitet zu haben. Dies liegt nicht nur daran, dass das veraltete Bild der früh werdenden Mutter mit einer funktionierenden Familie noch immer im Kopf von vielen von uns in der Gesellschaft eingebrannt ist, womit dann auch eine gewisse Erwartungshaltung folgt, sondern auch daran, dass je älter wir werden, wir Angst haben, ohne Partner leben zu müssen. Eine Angst, die besonders bei Frauen sehr vertreten ist.

Ein weiterer Grund, warum viele lieber um ihre Beziehung kämpfen, selbst wenn diese zum Scheitern verurteilt ist. Es ist alles besser, als am Ende eventuell alleine zu sein und sich mit all diesen Dingen beschäftigen zu müssen. Dabei sind gerade dann Trennungen mehr als nur ratsam. Denn für etwas zu leben, was von Außen hübsch aussieht und weil es gemütlicher und einfacher ist, macht uns im Inneren noch lange nicht glücklich und wird es auch niemals tun.

Vor allem, wenn unser Grund für diese nicht stattfindende Trennung nicht von unseren eigenen Überzeugungen und Logik hervorgerufen wird, sondern von Angst beherrscht wird. Keine Beziehung wird jemals so sein, wie die, die du jetzt hast. So hart diese Wahrheit auch sein kann, so darf man nicht vergessen, dass sich in diesem Satz, auch eine Chance verstecken kann, ein besseres Leben führen zu können. Man muss es nur wollen und den Mut besitzen, diese zu ergreifen.

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