Was tun, wenn der Partner mit dem Beruf verheiratet ist

Ein wunderschöner Abend. Euer Partner kommt nach Hause, ihr setzt euch zusammen vor dem Fernseher oder spielt mit euren Kindern. Es ist mitten in der Woche, aber ihr wisst, dass auch diese anstrengende Zeit bald vorbei geht und ihr am Wochenende, mindestens am Sonntag, Zeit für euch als Paar oder Familie haben werdet.

Allerdings ist das nicht für jedes Paar die Norm. Egal, wer es in der Beziehung ist, es kommt nicht selten vor, dass jemand in einer Partnerschaft einen sehr ambitionierten oder sehr wichtigen Beruf hat, der eine intensive Pflege oder Aufmerksamkeit benötigt. Dies können viele Berufsmodelle oder Jobs sein.

Von einem Polizisten mit einem hohen Gerechtigkeitssinn, der länger auf dem Revier bleibt, um dort auszuhelfen oder einem frisch gebackenen Selbstständigen, der gar keine andere Wahl hat, als sich um seinen Beruf so intensiv zu kümmern, da er sonst finanziell nicht überleben würde.

So oder so, es passiert häufiger, dass der Beruf einer intensiven Partnerschaft oder einer Familie im Weg stehen kann und Zeit schluckt, wo man eigentlich viel lieber zu Hause sein sollte. Warum das alles aber auch positiv sein kann, was an diesem System so richtig gefährlich ist und was ihr machen könnt, um besser mit dieser Problematik umzugehen, wenn ihr betroffen seid, erzählen wir euch jetzt!

Mehrarbeit kommt vor

An sich ist es nicht bestreitbar, dass es gewisse Berufe oder Berufsstrukturen gibt, wo einige Leute mehr arbeiten müssen. Dies reicht von sozialen Berufen wie Kranken- und Altenpfleger, systemrelevante Jobs wie Einzelhandelskaufmann oder Berufe in wirtschaftlich-relevanten Bereichen, wo Überstunden an der Tagesordnung sind, damit die Firma auch funktioniert.

Ganz abgesehen von den meisten Soloselbstständigen oder Leuten mit Kleinunternehmern. Immer wieder muss eine Mehrarbeit geleistet werden, um es beruflich weiterzubringen oder seinen Job oder Existenz beizubehalten.

Eine verständliche Denkweise, wenn wir uns darauf berufen, dass unser System, Wirtschaft, auch weiter funktionieren muss. Und auch wenn nicht jeder Beruf systemrelevant ist, so ist jede einzelne Firma oder selbstständige Person ein wichtiges Zahnrad in der Gesellschaft und noch viel wichtiger, ein viel größeres und wichtigeres Zahnrad im Leben der Leute, die unter ihnen arbeiten. Denn dieses Zahnrad hält durch seine finanzielle Wichtigkeit alles am Laufen.

Doch was ist, wenn dieses Zahnrad, dass eh schon alles andere überschattet, so groß wird, dass es die anderen kleineren, ebenfalls wichtigen Zahnräder beim Drehen langsam zerquetscht? Wenn sich das große Zahnrad des Berufes schneller dreht und so groß wird, dass die anderen kleinen Zahnräder wie ‘Familie’, ‘Freizeit’, ‘Hobbys’ und ‘Liebe’ nicht mehr mitkommen?

Nicht jede Mehrarbeit führt zum Karoshi

Australische Wissenschaftler haben bereits eine Studie gemacht, in der sich herausstellte, dass jeder, der länger als 39 Stunden pro Woche arbeitet, seine Gesundheit gefährdet. Nicht umsonst gibt es noch viele andere Studien, die belegen, dass bereits eine Dauerarbeit von 45 Stunden pro Woche physische Folgen wie Schlaganfälle und Depressionen hervorrufen können.

In Japan ist es sogar so schlimm, dass die dortigen Leute bereits ein eigenes Wort für ‘Tod durch Arbeit’ besitzen, welches ‘Karoshi’ genannt wird. Eine Todesart, die auch bei uns keine Seltenheit ist. Besonders Manager, die zwischen 80 und 100 Stunden im Büro arbeiten, besitzen eine höhere Chance, plötzlich und ohne Vorwarnung, aufgrund eines Herztodes, einfach umzukippen.

Wir sind mit dieser Erkenntnis sogar schon so weit, dass es mehrere Tests und Studien gibt, unsere Arbeitsstunden pro Wochen noch weiter zu minimieren. In Schweden experimentieren Kommunen und Unternehmen schon lange mit diesem Konzept. Und wie sich herausgestellte, hat die dort getestete 30-Stunden-Woche dort wahre Wunder bewegt. Nicht nur werden die Angestellten weniger krank und produktiver, sondern das Konzept sorgt auch noch dafür, dass mehr Leute eingestellt werden können.

Ist das überhaupt tragbar?

Auch wenn nicht für jeden Menschen einzeln beantwortet werden kann, warum er gewisse Mehrarbeit leistet bzw. leisten muss, so ist es doch klar, dass die Antwort mit der Tragbarkeit eindeutig mit ‘Nein’ beantwortet werden kann. Wie bereits vorher angeschnitten, kann Mehrarbeit fatale Folgen haben wie Herzinfarkte, Schlaganfälle oder Depressionen. Vom Burn-out gar nicht zu sprechen. Besonders oft für Frauen, die neben Beruf meist auch noch Haushalt und Kinder zu handeln haben, kann diese Mehrbelastung eine echte psychische und physische Belastung hervorrufen.

Natürlich sind einige Berufe unglaublich systemrelevant und es gibt sicherlich genug Betroffene, die durch ihre Mehrarbeit eine gute Tat begehen. Sie verbreiten Gerechtigkeit oder andere persönliche Eigenschaften, mit denen man sich identifiziert und fühlen sich dadurch besser, angespornt werden oder finden einen ‘Sinn im Leben’ .

Aber was, wenn zu viel Arbeit krank macht

Das ist unbestreitbar.

Egal, wie sehr man seinen Job liebt und erst recht, wenn man ihn hasst. Wenn wir also nicht in der Lage sind, weniger als eine 40+ Stunden Woche zu arbeiten oder unseren Beruf nicht wechseln wollen oder können, was können wir dann machen?

Die Antwort: Selbstsorge.

Oft reicht da ein intensives Gespräch mit sich selbst oder mit dem Partner. Warum arbeite ich so lange und was will ich damit erreichen? Muss ich das für immer machen oder ist es nur ein Sprungbrett für Plan XY? Wie sehr beeinflusst der Job meine physische und psychische Gesundheit? Ist es überhaupt gut für mich, diesen Job, mein Leben lang zu machen?

Bin ich glücklich? Warum? Warum nicht? Steht eine berufliche Veränderung zur Debatte? Wird meine Mehrarbeit überhaupt geschätzt? Was bedeutet mir der Job? Was bekommt mein Partner bzw. meine Familie für ein Bild von mir? Was könnte ich machen, damit es mir und meinem Partner/Familie besser geht? Was kann ich meinem Partner bzw. meiner Familie anbieten, um mehr für sie da zu sein? Auf was muss ich verzichten? Wo kann ich auf oder während der Arbeit Zeit sparen? Ist Arbeitsteilung eine Lösung?

Und, und, und …

Es gibt so viele Sachen, die geklärt werden müssen, aber sie führen alle zu einem Strang zurück. Zu euch selbst. Wenn ihr zu den Personen gehört, die eine gewisse Mehrarbeit leisten, ist es zuerst einmal wichtig, dass ihr eure innere Mitte findet. Was wollt ihr? Was hilft euch?

Und damit ist nicht die Egoismus-Schiene gemeint, die man als Vorwand benutzt, um zu Hause alles Tun und Lassen zu können, was man will, denn man selbst ist ja der Hauptverdiener und hatte eine anstrengende Zeit auf der Arbeit, nein! Damit ist gemeint, dass euer eigenes Selbst funktionieren muss, damit ihr auch als ‘Partner’ oder ‘Elternteil’ agieren und aktiv sein könnt.

Wenn man schon keine Energie für sich selbst hat, wie will man dann für andere da sein? Und um das möglich zu machen, braucht man eine gewisse Planung und viel Kommunikation mit dem Partner.

Nehmt euch Zeit, eure Akkus wieder aufzuladen

Ihr entscheidet, ob ihr das alleine machen wollt oder das zusammen mit dem Partner und der Familie könnt.

Achtung! Letztere sollte dabei aber nicht vernachlässigt werden! Plant eure Arbeitszeit und vor allem, den Urlaub, so genau es geht. Fordert eure Zeiten ein, sagt nicht so oft ‘Ja’ auf der Arbeit, wenn es darum geht, ob ihr wieder einmal mehr machen könnt. Die Arbeit ist zwar wichtig zum Leben, aber nicht euer Lebensinhalt. Bekommt einen professionellen Abstand zu eurer Arbeit. Nur weil ihr nicht da seid, kann es nicht sein, dass etwas nicht funktioniert. Und selbst wenn das der Fall ist, ist dies nicht euer Problem.

So lange euer Job nicht davon abhängt, solltet ihr nicht immer gleich aufspringen, wenn die Kollegen um Hilfe rufen. Man muss auch lernen, sich auf die anderen zu verlassen, und wenn ihr genau diese Last alleine auf euren Schultern tragen müsst, als quasi alleinverantwortlicher seid, müsst ihr genau zu dieser Last einen inneren Abstand aufbauen.

Diese Last seid nicht ihr. Vielleicht auf der Arbeit, aber sobald ihr durch den Türrahmen eurer Haustür tretet, solltet ihr mit euren Gedanken ganz bei euch, euren Liebsten oder der Familie sein. Dies sollte auch für das Telefon gelten. Anrufe nach der abgeschlossenen Arbeitszeit sind zwar in Ordnung, aber ein unangenehmes Druckmittel von denen, die euch anrufen. Meist ruft man nämlich nur an, wenn man etwas will. Sei es Hilfe oder das man persönlich aushilft. ‘Nein’ sagen, ist für viele da keine Option, auch wenn es bereits 19:30 Uhr sein sollte. Ihr müsst nicht immer erreichbar sein, auch das kann krank machen.

Konzentriert euch auf eure Familie, eure Liebsten, die Dinge, die euch Spaß machen. Wenn ihr irgendwann nach Hause kommt und nicht einmal mehr wisst, was die Lieblingsfarben eurer Kinder sind, was euer Partner die letzten Tage gemacht hat oder ihr keinen Spaß mehr am Leben oder euren Hobbys habt und 24/7 nur noch an euren Job denkt, ist die Zeit gekommen, die Notbremse zu ziehen.

Nehmt euch Zeit für euch. Plant gemeinsam einen Ausflug, damit ihr euch wieder näher kommt. Wenn es mal wieder später wird, macht es wieder gut und sagt dafür zur Arbeit auch mal ‘Nein’. Macht Zeiten aus, wann Mehrarbeit in Ordnung ist und wann nicht. Plant sehr weit im Voraus, damit die Arbeit euch keinen Strich durch die Rechnung machen kann, indem mal wieder spontan nach Mehrarbeit gefragt wird. Und ganz wichtig: Bleibt standhaft!

Entwickelt ein Punktesystem

Seht ‘Arbeit’ und ‘Partner-/Familienzeit’ als Punktesystem. Wenn es sein muss, visualisiert es euch mit einer Strichliste. Wie viel Arbeit/Zeit habe ich heute in die Arbeit gesteckt und wie viel in die Partnerschaft, die Familie oder in mich selbst?

Versucht die Balance dieser Strichliste so gut es geht, aufrecht zu erhalten und benutzt sie als Kontrollwerkzeug, eure Mehrarbeit im Zaun zu halten. Sprecht mit dem Chef, setzt euch im Betriebsrat ein, wenn euch Sachen über den Kopf wachsen und wenn gar nichts mehr funktioniert, wechselt als letzte Möglichkeit den Job.

Wenn es psychisch und physisch zu viel wird und ihr an den Punkt gekommen seid, wo ihr nichts mehr hinbekommt und komplett überfordert seid, kann auch der Gang zu einem Psychologen eine wahrhafte Hilfe sein. Was immer auch eure Probleme sind, sie sind meist lösbar oder es wird sich mindestens einen Mittelweg finden lassen. Es hängt nur von eurem Willen und eurer Planung ab. Und daran, wie viel ihr von eurer wertvollen Zeit an welche Parteien abgeben wollt.

Entscheidet dies mit großem Bedacht. Denn wir leben alle nur einmal. Und während die eigene Arbeit irgendwann vergänglich ist, bleiben die Gesundheit und die Menschen, die man liebt, ein Leben lang bei erhalten.

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