Wut als Beziehungsproblem – Wenn der Partner wütend ist

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Eine gemeinsame Partnerschaft vermag vielerlei Gefühle zu vermitteln, die wir sonst nirgends anders so auffinden werden. Vom Beflügeln unserer Emotionen, sodass wir das Gefühl haben, Bäume ausreißen zu können, bis hin zu dem Drang, eine ganze Wand einzuschlagen, weil wir so wütend auf unseren Partner sind, kann tagtäglich im Wechseltakt alles dabei sein. Wut als Beziehungsproblem kommt daher öfter vor als man vielleicht denken mag und nicht jeder kann gleich gut damit umgehen.

Kaum eine andere Beziehungen wird die Intensität an Gefühlskonzentration erreichen, wie es unsere Partnerschaft vermag. Weder bei Familie noch Freunden lernen wir solch eine Variation an Emotionen kennen. Wenn wir aufgrund unseres Partners fröhlich sind, dann sind wir auch wirklich und wahrhaftig glücklich und gehen gestärkter durchs Leben. Und wenn wir aufgrund unseres Partners wütend sind, dann erschüttert der wütende Partner unsere ganze Welt genauso, nur auf eine eher negative Weise.

Dennoch kann so ein negativ behaftetes Gefühl der Wut, so unangenehm es auch sein mag, ein überaus sehr Wichtiges in unserer Beziehung sein. Es markiert quasi das Ende unserer eigenen Wohlfühlgrenzen und ist eine Art Wecker dafür, was wir an dieser Stelle nicht mehr tolerieren können oder wollen. Außerdem zeigt ein wütender Partner auch seine tiefsten Gefühle, selbst wenn wir diese manches Mal selbst gar nicht so wahrhaben wollen.

Wut in der Beziehung kann schnell ein unkontrollierbares Werkzeug sein

Das Warnsignal der Wut kann eines der wohl unkontrollierbarsten Werkzeuge sein, die wir zur Verfügung stehen haben. Denn Wut, so wie auch Liebe und Angst lassen uns aufgrund ihrer Intensität und ihrer großen Auswirkungen auf unser System die verrücktesten und manchmal auch gefährlichsten Dinge tun. Gerade das Gefühl der Wut ist dafür bekannt, Menschen zum Überkochen zu bringen. Wir werden unvorsichtig, können uns gegen diesen wütenden, aufbauenden Druck im Körper kaum noch wehren, geschweige denn ihn aushalten.

Viele Menschen brechen unter diesem in uns manchmal zu lange eingesperrten Gefühl, gepaart mit ihrer gefühlten Handlungsunfähigkeit und einer ihnen zugeführten Prise Unfairness oder verletzendem Verhalten komplett zusammen und lassen sich gehen. Dies führt dazu, dass manche Menschen vor lauter Wut, wie bei der Liebe, den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sehen und überaus aggressiv gegenüber ihrem Partner werden. Sei es physisch/psychisch, angreifend/beleidigend oder sogar komplett gewalttätig. Wut in der Beziehung kommt meistens trotz aller Liebe ohne Rücksicht auf Verluste.

Manchmal sogar so sehr, dass dabei Gesetztüberschreitungen kein Tabuthema mehr sind. Das Ventil, genau diese Emotion im Griff zu haben, fehlt entweder oder ist ab einem gewissen Punkt komplett gebrochen worden und damit unbrauchbar. Dies kann bei einigen allerdings auch krankheitsbedingte oder psychische Gründe haben. Umso schlimmer wird dies, wenn vorher eine Provokation stattgefunden hat, man sich unfair/ungerecht behandelt fühlt, verletzt wurde oder allgemein ein Problem mit dem Abbau/Ertragen von Wut oder anderen reizüberflutenden Gefühlen dieser Klasse besitzt. Ganz zu schweigen von unserem ursprünglichen Gefühlszustand, Erfahrungen, Erlebnissen, Erziehung und vielen anderen Dingen.

Wut kann jeden treffen, und man muss lernen damit umzugehen

Dabei ist Wut ein Zustand, der jeden von uns treffen kann, sollten erst einmal gewisse Grenzen überschritten werden. Deshalb ist es umso wichtiger, seine Gefühlslage stets im Griff zu haben und seine eigenen Emotionen vor allem in einer funktionierenden Partnerschaft zu reflektieren. Und das auch mit dem Partner. Gerade Wut als Beziehungsproblem kann da ein überaus emotionales Thema werden, da das Gefühl dahinter ja meist erst zum Vorschein kommt, wenn man bereits in irgendeiner Art verletzt und somit wütend wurde.

Jeder, der schon einmal richtig wütend auf den eigenen Partner war, weiß, wie schwer es ist, rational, logisch oder vor allem unverletztend in solch einem Modus zu agieren, ohne den Partner dabei mit den typischen No-Go´s in Klärungs-/Streitgesprächen zu überhäufen. Diese sind z. B.:

  • in Du-Botschaften („Du hast XY gemacht!“) sprechen
  • Schuldzusprechung machen
  • Den Partner anschreien (nicht ausreden lassen & nicht auf ihn eingehen)
  • Aggressionswörter wie Immer und Nie(mals) verwenden
  • den Partner persönlich angreifen/ werten (z. B. die eigene Meinung oder Gefühle)

Mit Voraussetzungen wie diesen ist es für unsere Wut ein Leichtes, das überaus Schlechteste aus uns heraus zu holen und die dahinter sitzende Kraft zu nutzen, um unseren Gegenüber, der vielleicht sogar noch unser Wutauslöser ist, systematisch fertigzumachen. Das jedenfalls wäre die einfache Lösung, aber leider auch die schlechtere, wenn man bedenkt, was für Konsequenzen unser rücksichtsloses Verhalten in diesem Bereich haben kann.

Sich in voller Wut mal auszukotzen wird nicht nur von allen Seiten empfohlen, weil es gut für die Psyche ist, sondern kann auch gleichzeitig schmerzlindernd und reflektierend wirken. Wenn man währenddessen allerdings rücksichtslos vorgeht, den Partner direkt angreift (egal, ob er mit Schuld am aktuellen Zustand ist oder nicht) oder persönlich und eklig wird, wird nur die Wut unseres Gegenübers aktiviert und wir werden alles genau mit derselben Stärke zurückgefeuert bekommen, wie wir es losgeschossen haben. Natürlich nur, wenn unser Gegenüber nicht alles in sich hineinfrisst und dafür später irgendwann explodiert.

Unkontrollierte Wut und Aggression gegenüber dem Partner sollten nicht an der Tagesordnung sein

So oder so geben wir uns bei der völligen und hemmungslosen Hingabe unserer Wut, einem endlosen, unreflektierten, nichts-lösenden Kreislauf an Missverständnissen und unkontrollierten Emotionen hin, der einen ganzen Rattenschwanz an üblen Konsequenzen mit sich ziehen kann. Denn auf unkontrollierte Wut folgt nur neue unkontrollierte Wut. Nichts wird mit reiner Wut gelöst werden.

Denn so gesehen kümmert man sich in dem Moment eines Wutausbruchs vor dem Partner nur um seine eigene Bedürfnisbefriedigung, in diesem Fall den inneren Druck der Wut loszuwerden und das ohne Rücksicht auf Verluste auf euren Partner gegenüber, der diesen Anfall nicht nur aushalten muss, sondern auch, selbst wenn er euch zu diesem Zustand gebracht hat, keinen fairen Prozess bekommt.

Vergesst niemals: „Das, was ihr nicht wollt, was man euch antut, das tut auch niemand anderen an.“ Oder wie würdet ihr euch fühlen, wenn ihr Mist gebaut habt oder euch entschuldigen wollt (oder vielleicht etwas ganz anderes gemeint habt) und plötzlich aus dem Nichts angebrüllt oder beschimpft werdet? Eure Verurteilung steht, ohne dass ihr dagegen etwas sagen könnt. Die Bestrafung: Ein Wutanfall ohne Gnaden. Sicherlich keine Situation, die sich irgendeiner von uns herbeiwünscht.

Hinzu kommt bei manchen dann noch der berühmte Satz, den einige von euch sicherlich kennen werden: „Aber Schatz, das hab ich doch nur in meiner Wut gesagt und gar nicht so gemeint!“ Ein sicherlich ehrlich gemeinter Satz am Ende eines Wutausbruches. Dennoch ist dieser genau so manipulativ und täuschend, wie die Annahme, dass man in der Wut alles sagen könne und dürfe, einfach, weil man wütend war. Wut ist keine Ausrede und erst recht kein Freifahrtschein.

Der Partner ist kein Wutablassventil

Wenn man jemanden anbrüllt und sich danach entschuldigt (wenn überhaupt), ist das Kind bereits in den Brunnen gefallen und euer Partner verunsichert, selber wütend, verletzt, eingeschüchtert oder gar traurig. All diese Dinge müsst ihr dringend beachten, wenn ihr euch damit beschäftigen wollt, Wutsituationen in eurer Beziehung, ob nun bei euch selbst oder eurem Partner besser unter Kontrolle zu bekommen.

Denn wenn man wütend ist, sollte man, besonders wenn man den Partner liebt, diesen nicht rücksichtslos als Ventil benutzen. Selbst, wenn er der Verursacher der eigenen Pein sein sollte. Stattdessen sollte man eigene Wege finden, den Druck der Wut aus seinem System zu bekommen oder einfach lernen, während der Wutphase ein reflektierteres Gespräch mit dem Partner führen zu können, wenn man denn Redebedarf hat.

Natürlich kann es immer mal wieder versehentlich vorkommen, dass man sich von den eigenen Gefühlen so überwältigt fühlt, dass eine kleine Welle der tiefsten Gemeinheit in solch einer Phase ans Tageslicht kommt. Aber danach muss das passende Gespräch, und damit ist nicht nur eine Situationsaufklärung, sondern vor allem eine Entschuldigung gemeint, folgen. Wenn man wiederholt zur Wut in der Beziehung neigt, kann das Thema Trennung sonst sicherlich irgendwann Unterhaltungsbestandteil dieser Gespräche werden. Und genau deshalb sollten wir uns auch alle mit Strategien zur Bekämpfung von Wut und deren Entstehung beschäftigen. Immerhin ist diese Thematik, wie ihr bereits mitbekommen habt, eine überaus wichtige in einer gemeinsamen Partnerschaft und kann für einen längeren Zeitraum über die Stimmung und euren ganzen Haussegen bestimmen.

Hier seht ihr einige verschiedene Wuttypen und ihre Eigenheiten

Um ein besseres Bild und damit auch Verständnis darüber zu bekommen, wie Wut funktioniert, zeigen wir euch einige der bisher bekannten und psychologisch erforschten Wuttypen. Viele genannte Wuttypen und deren Eigenschaften überschneiden sich zwar, aber die allgemeine Auseinandersetzung mit den einzelnen Wuttypen kann eine Art Orientierungshilfe sein, wie man mit dem ein oder anderen umgeht.

Rechtschaffene Wut

Die wohl angesehenste Form der Wut. Diese aktiviert sich meist, wenn wir das Gefühl haben, dass Unrechtes getan wurde. Wenn Regeln gebrochen wurden oder moralische Ungerechtigkeit stattgefunden hat, aktiviert sich dieser doch tückische Wuttyp. Denn diese Art von Wut kann einem nicht nur das Gefühl geben, etwas Besseres zu sein, da die eigene Wut ja rechtschaffener Herkunft ist, sondern sie blendet auch andere und lädt zur (Eigen)Manipulation ein.

Nachdrückliche Wut

Habt ihr, anstatt eurer Wut zu verfallen, diese schon einmal benutzt, um stattdessen etwas in eurer Umgebung positiv zu verändern (meist genau das, was euch überhaupt wütend gemacht hat). Z. B. indem ihr angefangen habt, wie wild eure Wohnung zu putzen, um wieder runterzukommen? Ja? Dann wart ihr schon einmal nachdrücklich wütend und habt eure ganze Wut eher als Motivation benutzt, anstatt sie hemmungslos herauszulassen.

Konstruktive Wut

Eine eher positive Wutart, die z. B. in Protesten/Demonstrationen enden kann. Hier geht es darum, dass man gerechtfertigt auf jemanden/etwas wütend ist (z. B. auf die aktuelle politische Lage, da Wahlversprechen nicht eingehalten wurden). Kritik steht hier im Vordergrund, aus dessen sich dann die darauffolgende Wut bildet. Hinzukommend kann man sagen, dass auch das Prinzip der nachdrücklichen Wut und der rechtschaffenen Wut hier Anklang finden. Da konstruktive Wut und rechtschaffene Wut sich sehr ähnlich sind, aber man auch, wie bei der nachdrücklichen Wut beginnt, die eigene Wut zu nutzen, um damit etwas Positives zu machen (z. B. den Haushalt auf Vordermann bringen oder Sport machen), passen beide mit in diesen fast schon nischenartigen Wuttypen. Auch ist die konstruktive Wut dafür bekannt, den letzten Rest der eigenen Angst zu tilgen und sich selbst zu überwinden und der eigenen Ungerechtigkeit endlich Gehör zu verschaffen.

Aggressive Wut

Hier wird es körperlich. Die Wut ist so schlimm, dass ihr das Gefühl bekommt, sie rauslassen zu müssen, weil ihr sonst innerlich implodiert. Dies kann in physischen Angriffen an anderen Menschen enden, aber auch damit, dass ihr eure Wut an Objekten (z. B. einem Wohnungsgegenstand) herauslasst. Behaltet solch ein Verhalten im Blick. Wenn die Aggression gegenüber dem Partner zunimmt und es nicht nur beim Schreien im Streit bleibt, sondern wirklich in physischer Gewalt endet, dann sucht euch professionelle Hilfe

Gewohnte Wut

Wenn man so viel Zeit damit verbracht hat, wütend zu sein, bekommt dies irgendwann leider eine Standartemotion (auch dank Konditionierung) für viele Menschen. Ab einem gewissen Punkt verärgert einen einfach alles. Sogar die kleinsten Kleinigkeiten wie das Nachfragen, warum man denn so wütend sei. Es wird vermutet, dass die Grundlage dieser Wut tief in der Psyche des betroffenen Menschen liegt und dass diese definitiv behandelt werden sollte, da sich diese Art von Wut immer weiter aufbauen und immer mehr Schaden anrichten kann.

Chronische Wut

Eine weiterentwickelte und die wohl gefährlichste Form der gewohnten Wut. Wie der Name schon sagt, sorgt die chronische Wut für eine völlige und ständige Verbitterung, die nicht nur die betroffene Person selbst, sondern auch deren Umgebung wie Freunde, Familie, Arbeit und vor allem Gesundheit massiv schadet. Auch hier sollte dringend Hilfe konsultiert werden!

Passiv-Aggressive Wut

„Nur, weil ich ein paar sarkastische Kommentare mache, bin ich doch nicht gleich wütend!“ Doch, dies kann durchaus der Fall sein bei der passiv-aggressiven Wut. Wenn man nämlich die ganze Wut unterdrückt und diese dann, anstatt darüber zu diskutieren oder sich in klärende Gespräche zu begeben, immer mal wieder verletzend äußert, lästert oder kleine biestige Kommentare ablässt, ist auch dies eine Form von Wut. Damit macht ihr euch aber gleichzeitig mit zum Teil des Problems, weshalb ihr ursprünglich wütend geworden seid. Denn wer wirklich abschließen und seine Wut loswerden will, muss diese auch akzeptieren lernen.

Verbale Wut

Stellt euch die passive aggressive Wut vor, nur dass die kleinen gemeinen Kommentare dahinter zum Dauerfeuer werden. Stets beginnen diese Leute in der Wut auf euch herumzuhacken, euch zu denunzieren, sarkastisch zu antworten, nicht ernst zu nehmen, zu beleidigen oder viele andere Dinge, die über eine lange Dauer in manipulativer Art enden könnten. Ein Wuttyp, der nicht nur gerne von Narzissten benutzt wird, sondern auch definitiv vermieden bzw. behandelt werden sollte, wenn euch eure Liebsten etwas wert sind und ihr diese nicht verlieren wollt.

Selbstverletztende Wut

Hier überwinden wir erst einmal das Klischee der Depression, da Selbstverletztende Wut auch bei vielen Menschen gefunden werden kann, die diese Diagnose nicht besitzen. Wie der Name schon sagt, steht hier die Verletzung des Selbst im Mittelpunkt. Dies muss nicht einmal physischer Natur sein, wie der Name sagt, sondern kann auch mit dem Runtermachen der eigenen Person zu tun haben. Viele Enttäuschungen, das Gefühl sich nicht gehört zu fühlen, so wie auch Überforderung können dazu führen, dass man die Wut, die man eigentlich wegen einer anderen Person hat, an sich selbst auslässt. Ebenfalls eine Wutart, mit der man dringend einen Psychologen konsultieren sollte, um einen schweren negativen Verlauf des eigenen Selbstbildes und weitaus schlimmere physische Verletzungen zu verhindern.

Vergeltungs-Wut

Der Inbegriff der Rache. Wenn man Wut bezüglich einer speziellen Organisation, Firma, Marke oder einem Menschen verspürt, dann entsteht diese Art von Wut. Was immer es auch war, dass diese Person(en) getan haben, um euch wütend zu machen, der Schritt zur ersten Racheaktion ist nicht weit, also seid vorsichtig mit dieser Art von Wut!

Und woher kommt die ganze Wut eigentlich

Zuzüglich zu den Wuttypen muss man auch noch die Vorgänge der Wut beachten. Egal welcher Wuttyp ihr oder euer Partner seid (man ist nicht unbedingt ein festgelegter Wuttyp, dies kann sich auch situationsabhängig ändern), kommt noch hinzu, wie ihr eure Wut zeigt. Kommt sie wie aus dem Nichts und breitet sich explosionsartig aus und ist ganz schnell wieder weg? Überwältigt eure Wut euch von einem Moment auf den nächsten, weil ihr so frustriert über eine gewisse Thematik seid? Verlasst ihr den Raum und könnt Wut erst dann zulassen? Könnt ihr eure Wut nicht zügeln, sodass sie sofort raus muss?

All diese Fragen sind wichtig und sollten für ein besseres, reflektiertes Verhalten im Thema Wut von euch persönlich beantwortet werden. Denn nur wenn ihr wisst, wie sich eure Wut zeigt und wie ihr euch dabei fühlt, könnt ihr diese besser kontrollieren lernen und vor allem deren Folgen eindämmen.

Aber es bleibt immer noch die Frage, woher kommt die Wut? Warum sind wir überhaupt wütend? Zwar wissen wir nun bereits, dass dies etwas mit dem Überschreiten unserer Grenzen zu tun hat, so wie auch mit Fairness, Gerechtigkeit und sogar unserer Psyche oder Erziehung aber ist das wirklich alles? Neben all diesen manchmal auch tief verankerten Wurzeln, aus dessen Konsequenz das Symptom Wut entsteht, gibt es auch weitere unzählige Momentaufnahmen oder Schicksalsschläge, aus denen diese Emotion entstehen kann. Und ironischerweise sind diese so rein wie die Liebe, die bei falscher Handhabung ebenfalls zu Hass mutieren kann.

  • Wir können wütend werden, wenn wir uns hilflos fühlen, weil jemand, den wir lieben oder jemand Unschuldiges/Hilfloses leidet
  • Wir können wütend werden, wenn wir uns nicht ernst genommen fühlen und alles, was wir sagen/fühlen, keine Bedeutung geschenkt wird
  • Wir können wütend werden, wenn wir mit allem überfordert sind und trotz allem immer noch die Person sind, die das ganze System um uns herum am Laufen hält
  • Wir können wütend werden, weil es der lauteste stumpfe Schrei nach Liebe ist, den wir haben, selbst wenn wir uns selbst nicht eingestehen können/wollen, dass wir Liebe brauchen
  • Wir können wütend werden, weil unsere Träume und unsere Wünsche nicht in Erfüllung gegangen sind, obwohl wie so hart dafür gearbeitet haben und das einfach nur deshalb, weil es immer Dinge geben wird, die wir niemals in der Lage sind zu kontrollieren, egal wie sehr wir uns bemühen
  • Wir können wütend werden, wenn wir uns stets für andere aufopfern und viel zu spät merken, dass wir gar nichts oder nicht einmal annähernd so viel der aufgeopferten Zeit zurückbekommen

Wut hat viele Facetten und zeigt sich nicht immer in den besten Momenten

Abhängig davon, wer wir sind und wie wir drauf sind sollte man ein Ventil finden, dass zu dem Filter wird, durch den unsere Wut gemindert wird. Jeder von uns besitzt gewisse Dinge, die er liebt, die er gerne macht oder die uns die größte Freude bereiten. Genau diese Dinge gilt es, wie z. B. bei Liebeskummer, geschickt einzusetzen, um uns von dem konstanten Druck abzulenken, den Wut in uns hervorruft.

Wir müssen lernen über den Zustand der Wut, so wichtig er auch sein mag, hinauszuwachsen und ihn nicht die Kontrolle über uns zu überlassen. Wir müssen die Person sein, die die Kontrolle behält. Wut ist ein Werkzeug, ein Hilfsmittel, aber kein Lebenssinn und vor allem keine dauerhafte Lösung, um vor seinen Problemen zu flüchten.

Vor allem bei Wut als Beziehungsproblem ist es unglaublich wichtig zu lernen, warum man wütend wird, wie sich diese Wut zeigt und sogar noch viel wichtiger, diese Gefühle ruhig und bedacht mitzuteilen, anstatt diesen ungehemmten Freilauf zu lassen. Kommunikation ist und bleibt das wichtigste Überlebensinstrument in einer Beziehung. Und wenn ihr erst einmal gemeistert habt, über eure Wut auch sachlich zu sprechen, ohne euch gegenseitig dabei im Dauerfeuer zu bekämpfen und anzufeinden, dann habt ihr einen überaus wichtigen und essenziellen Schritt in eurer Beziehung geschafft.

5 starke Tipps, um die Wut deines Partners in den Griff zu bekommen oder zu besänftigen

Geduldig und ehrlich zuhören

Ist dein Partner erst einmal aufgebracht und wütend und fängt an gehörig Dampf abzulassen, dann zeige dein Verständnis und höre erst mal aufmerksam zu. Unterbreche nicht und lasse dich nicht beirren. Wenn der Sturm erst einmal vorüber ist, kannst du immer noch sagen, was dir auf dem Herzen liegt und deine Sichtweise erklären.

Habe dich selbst unter Kontrolle

Auch wenn es dir in dem Moment nicht leicht fallen mag, lass dir deinen eigenen Ärger in dem Moment nicht ansehen. Denn wenn du im gleichen Atemzug wie dein Partner deine eigene Wut zum Ausdruck bringst, kann es passieren dass ihr euch gegenseitig hochschaukelt und die Situation mehr eskaliert als nötig. Schalte du einen Gang zurück, damit ihr gemeinsam wieder Fahrt aufnehmen könnt, wenn ihr etwas abgekühlt seid.

Geht aus der Situation raus

Das bedeutet nicht, dass du fluchtartig den Raum verlassen sollst, wenn dein Partner wütend ist. Es geht eher darum, dass du deinem Partner zeigst, dass jetzt gerade nicht der richtige Moment ist. Sei es, weil die Umgebung nicht passend ist, oder ihr beide einfach zu aufgebracht seid. Gebt euch beiden nochmal Zeit und Raum und denkt über eure Wut nach. Oft verfliegt diese schon, wenn man bewusst die Situation für den Moment auflöst und später nochmal zusammenkommt, um darüber zu reden.

Viel Schlaf hilft viel

Generell ein Mittel, das gegen Wut helfen kann. Ausreichend und erholsamer Schlaf können die eigene allgemeine Gemütslage sehr beeinflussen. Wer ständig schlecht schläft kann schneller reizbar und somit eher wütend sein, als jemand der frisch und ausgeschlafen ist. Wenn du also merkst, dass du oder dein Partner mit einer sehr kurzen Zündschnur agiert, dann überprüfe deine Schlafsituation und denke darüber nach etwas zu ändern.

Unterdrücke die negativen Gefühle nicht

Oft kommt Wut nicht auf einmal angeflogen. Es ist eher eine Art Gefühlsstau, der sich aus nicht ausgesprochenen und ausgelassenen Gefühlen aufgebaut hat. Vor allem Wut in der Beziehung ist oft eine Akkumulation von Erlebnissen. Nimm deinen Partner zur Seite und klärt Punkte, die euch auf dem Herzen liegen. Denn wenn es nur Kleinigkeiten sind, die sich schnell bereinigen lassen, muss es nicht zum großen Gefühlsstau kommen und es gibt keinen Wutausbruch.

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